Daniel Kapovic: Vom ersten Webshop im Kinderzimmer zum B2B-SEO-Unternehmer
Warum ich weiss, was B2B-Unternehmen online wirklich brauchen? Weil ich 15 Jahre lang selbst eines aufgebaut habe.
Es begann mit einer Idee und einem heimischen PC
Als Kind war ich begeistert von Elektronik. Ich beschäftigte mich mit den elektronischen Komponenten einer frühen Spielekonsole, mit RC-Modellbau und Funkgeräten. Diese Dinge waren mein grösstes Hobby und so dachte ich, dass es mir auch beruflich gefallen könnte. Am heimischen PC brachte ich mir parallel dazu die Web-Entwicklung mit einer eigenen Webseite selbst bei.
Mit 16 Jahren begann ich meine Ausbildung an der Physikalisch Technischen Lehranstalt (PTL) in Wedel bei Hamburg. Im dualen System, mit Vorlesungen gemeinsam mit FH-Studenten in grossen Hörsälen. Komplett eigenverantwortliches Lernen ab Tag eins.
Ich merkte schnell, wie wahnsinnig anspruchsvoll vor allem der Physik-, Elektrotechnik- und Mathematik-Teil waren. Mathematik war immer mein absolutes Lieblingsfach. Aber sich als 16-Jähriger bereits mit Differential- und Integralrechnung sowie imaginären Zahlen auseinandersetzen zu müssen, war für mich einfach zu früh. Ich habe mich durchgebissen. Erst als der Wechsel weg von der analogen Elektrotechnik, hin zur Digitaltechnik mit Assembler-Programmierung stattfand, bin ich richtiggehend aufgeblüht.
Als Abschlussarbeit realisierte ich ein selbstlenkendes Roboterfahrzeug auf Basis eines Mikrocontrollers in Assembler. Es funktionierte im kleinen Massstab wie die heutigen Staubsaugerroboter: mit optischen Abstandssensoren und eigener Motoransteuerung.
Mein erster Webshop: Quasi-Dropshipping aus dem Kinderzimmer
Parallel zur Ausbildung baute ich meinen ersten Webshop. Als ich PHP kennenlernte, entwickelte ich zunächst einen MVP für einen Bauern aus der Region, der online seine Gemüsekisten vertreiben wollte. Leider klaute der nur meine Ideen und kaufte mir den Shop selbst nicht ab.
Also baute ich die Software um in einen Shop für Handyzubehör. Zu der Zeit war der Umbau auf blaue LEDs bei Nokia-Handys extrem angesagt unter den Nerds. Ich verkaufte diese LEDs über meinen Webshop. Ausserdem bekam ich Zugang zum Handy-Zubehör-Katalog eines Grosshändlers und verkaufte Dinge wie Ersatz-Akkus oder Covers für Nokia-Handys aus meinem Kinderzimmer heraus.
Das war um 1999 herum. Eigentlich machte ich damit schon fast Dropshipping, lange bevor es den Begriff offiziell gab. Ich bestellte die Ware Just-in-Time beim Grosshändler, sobald die Kundenbestellung bei mir eintraf, und versendete sie dann direkt an den Endkunden weiter. Allerdings noch mit dem Zwischenschritt über mein Kinderzimmer. Also noch kein hundertprozentiges Dropshipping.
Dann machte ich meine erste Begegnung mit den deutschen Abmahngesetzen. Ängstliche Mitbewerber schickten mir eine Abmahnung. Die Bekämpfung gelang mir erfolgreich, aber der Anwalt kostete mich alles, was ich erwirtschaftet hatte, und noch mehr. Ich stampfte den Webshop ein.
Aber das Thema liess mich nicht los. Ich erweiterte meinen Handyshop zu einer standardisierten Webshop-Software namens «mindchest Shop» und vertrieb diese an verschiedenste kleinere Unternehmen. Ich brannte damals noch CDs mit meiner Software drauf und versendete sie an die Kunden. Das alles passierte zwischen 2000 und 2002, parallel zu meiner Tätigkeit bei marchFIRST. Ich wollte immer unternehmerisch tätig sein.
Mit 20 Jahren für Grosskonzerne entwickeln
Parallel zu meiner Ausbildung und dem Webshop begann ich als Web-Entwickler bei der marchFIRST GmbH zu arbeiten. Zunächst schulbegleitend, dann nach Abschluss in Vollzeit. PHP, MySQL, HTML, JavaScript.
Unsere Kunden zu der Zeit: Lufthansa, Thomas Cook, Santander Bank, Toyota. Ich leitete die Entwicklung eines deutschlandweiten Intranets für 300 Benutzer. Mit gerade einmal 20 Jahren.
Bei marchFIRST hat mich neben der Programmierung etwas anderes nachhaltig geprägt: die Arbeit meines Projektleiters und meines Abteilungsleiters. Ich fand die Mischung aus Technik und Wirtschaft wahnsinnig inspirierend. So kam mein Entscheid für ein Wirtschaftsinformatik-Studium.
Während marchFIRST im Jahr 2000 noch das grösste Internet-Services-Unternehmen der Welt war, wurde es im August 2001 aufgelöst. Der Dotcom-Crash traf auch dieses Unternehmen. Aber das Wissen und die Erfahrung blieben.
Das Studium: Endlich alles zusammenführen
Das Wirtschaftsinformatik-Studium an der FH St. Gallen traf genau meinen Nerv. Hierfür zog es mich 2002 in die Schweiz, wo ich bis heute lebe. Ich hatte so viel Spass in eigentlich allen Fächern, dass ich es sehr gut abschliessen konnte. Auch Differential- und Integralrechnung waren beim zweiten Anlauf, etwas mehr Reife und den richtigen Lehrern kein echtes Problem mehr.
Auch während meines Studiums lief das Projekt mindchest weiter, eher hobbymässig, um das erlernte Wissen aus dem Studium direkt anwenden zu können.
Bereits 2004 baute ich mir privat einen eigenen VoIP-Server auf Basis von Debian-Linux und Asterisk. Der Hintergrund: Ich wollte günstigen Telefonkontakt zu meinen Freunden in meiner alten Heimat Hamburg halten. Ich konnte mir eine VoIP-Telefonnummer mit Hamburger Vorwahl mieten, und wenn mich alte Freunde darauf anriefen, klingelte mein lokales Telefon in der Schweiz. Ohne irgendwelche Verbindungsgebühren für mich und zum Ortstarif bei meinen Freunden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Telefonate selbst über günstige traditionelle Telefonanbieter zu der Zeit noch etwa CHF 0.12 – CHF 0.20 pro Minute kosteten.
Die Diplomarbeit, die 21 Jahre lang lief
Zum Ende des Studiums stand die Diplomarbeit an. Ich bekam über mein privates Umfeld mit, dass die Stadt Wil eine neue Telefonanlage für das Lindenhof-Schulareal suchte. Zu dieser Zeit gab es nur riesige graue Kästen an der Wand mit lauter Elektronik-Steckkarten von Anbietern wie Siemens, Ascom und Co. Für alle paar Telefone musste eine neue Steckkarte für Tausende von Franken eingebaut werden.
Ich bekam einen Termin bei der Informatikabteilung und stellte meine Idee vor: im Rahmen der Diplomarbeit eine softwarebasierte VoIP-Telefonanlage mit hochwertigen Endgeräten aufzubauen. Das alles ohne Entgelt.
Die Win-Win-Situation: Ich konnte mit den für mich unerschwinglichen Hardwarekosten für Server, ISDN-Schnittstellenkarten und dutzenden hochwertigen VoIP-Telefonen experimentieren und weitere Erfahrungen im VoIP-Umfeld sammeln. Die Stadt bekam das Projekt für einen Bruchteil des Geldes eines konventionellen Weges.
Das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, hat sich voll ausgezahlt. Ich konnte das Projekt sehr erfolgreich abschliessen. Die Telefonanlage lief anschliessend 21 Jahre im produktiven Einsatz, bis 2026. Und der Erfolg dieses Pilotprojekts führte zum Ausbau auf 30 Schulstandorte der Stadt Wil.
VoIP-One: 15 Jahre Aufbau mit Durchhaltevermögen
Nach dem Studium suchte ich eine Anstellung im VoIP-Bereich. Das war 2005. Die Technologie war so neu, dass es nicht einmal eine Handvoll renommierter VoIP-Provider gab. Ich merkte recht schnell, dass ich so keine zufriedenstellende Anstellung finden würde. Gleichzeitig wurde das Projekt der Stadt Wil weiter ausgebaut. Ich hatte eine bestehende Software-Basis aus der Diplomarbeit und den unbedingten Willen, mittelfristig richtig selbständig zu werden.
Ich trug 2006 zunächst eine Einzelfirma ein und gründete dann 2007 definitiv die VoIP-One GmbH. Das Herzstück war eine selbst entwickelte Software-Telefonanlage, deren rund 500’000 Zeilen Code nahezu vollständig von mir persönlich stammen.
In den ersten Jahren kombinierte ich den Aufbau von VoIP-One mit einer leitenden Tätigkeit bei der Datapark AG in Wil. Dort führte ich die komplette Neuentwicklung des Modem-Management-Systems für rund 20’000 Modems, heute Samson genannt. Ich stellte die gesamte Code-Basis von Custom PHP auf ein MVC-Framework um und erstellte eine Projektplanung für die Neuentwicklung über 12 Monate hinweg. Die Planung war so akkurat, dass wir die Ziele auf den Monat genau erreichen konnten.
Das Projekt war komplex: rund 6 Untermodule für verschiedene Gerätekategorien, die provisioniert werden mussten. Inklusive Schnittstellen zu anspruchsvollen Infrastruktur-Komponenten wie GPON und DHCP-Servern.
Diese Kombination aus eigenem Unternehmen und anspruchsvoller Projektführung prägte meine Arbeitsweise bis heute: strategisch planen, Komplexität strukturieren und mit Beharrlichkeit umsetzen.
Alles ausprobiert. Nichts hat gezündet.
Bei VoIP-One hatte ich ein tolles Produkt, aber die ganzen ersten Jahre fruchtete mein Marketing überhaupt nicht. Ich probierte sehr vieles aus: Jungunternehmer- und BNI-Netzwerk, Messestand, Jungunternehmer-Wettbewerb, Webseite selbst online stellen, Kaltakquise via Telefon, Zeitungsartikel, eigenes Business-Netzwerk aus Studienkollegen.
Nichts davon brachte den Durchbruch.
2016: Der Wendepunkt durch SEO
Der echte Durchbruch kam, als ich mich auf meine eigenen Stärken besann und 2016 beschloss, mich ausschliesslich auf Online-Marketing und SEO im Speziellen zu konzentrieren. Einen ausgewiesenen SEO-Spezialisten holte ich mir an die Seite. Er führte mich umfassend in das Thema ein und wir landeten in der Essenz hauptsächlich beim Aufbau von Topical Authority und Thought Leadership durch hochwertigen Content.
Das Ergebnis: 120 Fachartikel, 3 E-Books, ein Wissensportal und ein eigener Online-Shop. Unser Content begann so gut zu ranken, dass wir die grossen VoIP-Provider bei Google von den vorderen Plätzen verdrängen konnten. Sogar Medien wie die Netzwoche, das Swiss IT Magazine und der Radiosender Radio1 wurden auf uns aufmerksam.
Die ausführliche Geschichte dieses Aufbaus finden Sie in der VoIP-One Case Study.
Der bewusste Abschluss eines Kapitels
Ein schwerer gesundheitlicher Einschnitt im Jahr 2013 veränderte meine Perspektive. Trotzdem baute ich VoIP-One in den Folgejahren strategisch weiter aus und realisierte unter anderem den gesamten Umbau unserer Marketing-Strategie auf SEO.
Nach 15 Jahren des Aufbaus mit enormem Durchhaltevermögen war 2020 der Zeitpunkt gekommen, ein wenig zur Ruhe zu kommen und den Weg freizumachen für weiteres Wachstum durch neue Unternehmer. Ich habe viel gelernt aus den Büchern und einem Coaching von Stefan Meraths Unternehmercoach GmbH. Gemäss seinen Worten baut ein Tischler Tische. Und ein Unternehmer baut Unternehmen. Den gesamten Prozess als Unternehmer hätte ich erst nach einem erfolgreichen Exit einmal durchgespielt.
Der Rücklauf auf das Verkaufsinserat bei der Business Broker AG in Zürich war überwältigend. Am Ende kristallisierten sich drei konkrete Angebote heraus. Ich entschied mich nicht für den Höchstbietenden, sondern für die Personen, die meine Werte am ehesten weiter vertreten konnten. Es war mir ein zentrales Anliegen, dass ich meine Kunden auch weiterhin gut aufgehoben wusste.
Nach dem Exit begleitete ich die neuen Inhaber als Berater und Software-Architekt, um eine reibungslose Übergabe sicherzustellen.
SEO-Friends: Die logische Konsequenz
Mein Unternehmerherz pochte unaufhörlich weiter. Ich sammelte über mehrere Jahre Ideen, die mir das nächste Projekt ermöglichen könnten. Dabei merkte ich, dass meine Unternehmer-Leidenschaft bei jeder neuen Idee wieder aufflammte. Neben dem Unternehmertum und der reinen Technik hatte ich spätestens seit 2016 eine neue Passion entdeckt: Online-Marketing und SEO.
Die Idee zu einer eigenen SEO-Agentur entstand gemeinsam mit Freunden. Nicht alle waren am Ende mit der gleichen Überzeugung dabei. Der Name SEO-Friends blieb, und ich habe neue Begleiter gefunden, die voller Elan an dem Projekt mitarbeiten.
Heute unterstütze ich mit SEO-Friends B2B-Unternehmen aus IT, Tech und Industrie dabei, online sichtbar zu werden. Nicht mit Agentur-Marketing-Blabla, sondern mit der Erfahrung von jemandem, der den gleichen Weg selbst gegangen ist.
Ich weiss, was funktioniert. Und ich weiss, was nicht funktioniert. Weil ich beides selbst erlebt habe.
Mehr über das Team und die Agentur erfahren.
Unternehmertum als roter Faden
Vom ersten Webshop aus dem Kinderzimmer über eine eigene Webshop-Software auf CD, ein VoIP-Pilotprojekt als Diplomarbeit, das 21 Jahre lang produktiv lief, bis zum erfolgreichen Aufbau und Verkauf eines Technologieunternehmens: Mein Antrieb war immer das Unternehmertum im Technologie-Umfeld.
Ideen erkennen, Produkte bauen, Kunden gewinnen, ein Unternehmen aufbauen. Und dann wieder von vorne. SEO-Friends ist nicht mein erstes Unternehmen. Aber es ist das Unternehmen, in dem alles zusammenkommt, was ich in über 25 Jahren gelernt habe.
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