Rankt KI-Content genauso gut wie von Menschen geschriebene Inhalte?

Daniel Kapovic · · 1 Aufrufe

Kurze Antwort: Nein. Zumindest nicht, wenn die KI den Content eigenständig produziert. Wir haben das am eigenen Beispiel erlebt und können es mit konkreten Zahlen belegen.

Unser Experiment mit reinem KI-Content

Wir haben auf unserer Website einen umfangreichen B2B-SEO-Glossar mit rund 80 Fachbegriffen erstellt. Die Hauptarbeit bestand darin, die wirklich relevanten Begriffe rund um unser Fachgebiet herauszufiltern. Die Texte selbst haben wir komplett von der KI schreiben lassen.

Das Ergebnis war ernüchternd: Von den rund 80 Unterseiten wurde keine einzige wirklich von Google indexiert. Über 90% der Seiten hat Google zwar gecrawlt, aber nicht in den Index aufgenommen. In 12 Monaten kamen insgesamt 3 Klicks zusammen. Das gesamte Glossar.

Schlimmer noch: Die vielen nicht-indexierten Seiten hatten einen negativen Effekt auf unsere gesamte Domain. Google musste 80 Seiten crawlen und verwarf sie wieder. Bei einer Website unserer Grösse war das Verhältnis zwischen indexierten und verworfenen Seiten dadurch ungünstig. Das Helpful Content System von Google bewertet tendenziell die gesamte Domain. Viele schwache Inhalte können also auch die starken Seiten nach unten ziehen. Wir haben die Glossar-Seiten inzwischen auf noindex gesetzt, um diesen Effekt zu stoppen.

Warum reiner KI-Content im B2B scheitert

Wenn ich einem KI-Tool wie SurferSEO ein Keyword gebe und einen kompletten Artikel generieren lasse, passiert Folgendes: Die KI recherchiert die Top-10-Suchergebnisse bei Google, analysiert welche Keywords dort verwendet werden, und phantasiert sich daraus einen 3’000-Wörter-Artikel zusammen. In 5 Minuten. Mit haufenweisen Absätzen voller halluzinierter Zahlen und «Fakten».

Ich nenne das «Content Inzest». Die KI kann so gar nichts Neues produzieren. Sie kopiert, grob gesagt, aus zahlreichen Drittquellen etwas zusammen und verkauft diesen Mix als neues Gericht. Aber es bleibt aufgewärmt. Keine neuen Einblicke, keine neuen Erkenntnisse, kein frisches Know-how aus echten Projekten.

Das ist aus mehreren Gründen problematisch:

Google erkennt die fehlende Tiefe. Unsere Erfahrung mit dem Glossar zeigt, dass Google KI-Inhalte zum Teil sehr genau erkennt. Oder besser gesagt: Google erkennt, wenn Inhalte keinen Mehrwert über das hinaus bieten, was bereits existiert.

Technische Entscheider durchschauen es sofort. Ein IT-Leiter oder CTO merkt im ersten Absatz, ob jemand wirklich aus der Praxis schreibt. Im B2B, wo Vertrauen und Expertise entscheidend sind, kann das den Ruf beschädigen.

Keine Differenzierung. Ihre Mitbewerber können in wenigen Minuten genau das Gleiche tun. Sie heben sich von niemandem mehr ab.

Was stattdessen funktioniert: KI als Sparringpartner

Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, ob man KI nutzt, sondern wie. Wir setzen KI intensiv ein, aber als Werkzeug, nicht als Autor.

Bei unserem Artikel zum Thema Content Marketing im B2B hat die KI bei der Recherche, der Outline und der Strukturierung geholfen. Anschliessend diente sie als Lektor, um Formulierungen gegenzuprüfen. Aber den eigentlichen Inhalt habe ich selbst geschrieben. Aus meiner Erfahrung mit 15 Jahren B2B-SaaS.

Mittlerweile haben wir den Prozess noch weiter optimiert. Die KI stellt uns gezielte Interview-Fragen zu jedem Thema. Wir antworten ausführlich mit unserer persönlichen Perspektive, unseren echten Erfahrungen und konkreten Beispielen. Aus diesen sehr individuellen Antworten entsteht anschliessend der Artikel in unserem Stil. Der Inhalt kommt von uns, die KI gibt ihm Form.

Was Google und KI-Suchsysteme wirklich wollen

Google nennt es E-E-A-T: Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness. Die doppelte Betonung von «Experience» ist kein Zufall. Google will echte Erfahrungen aus erster Hand. Undokumentiertes Wissen, das nur jemand teilen kann, der ein Problem tatsächlich gelöst hat. Nicht eine Zusammenfassung dessen, was alle anderen bereits geschrieben haben.

Das gilt zunehmend auch für KI-Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity und Google AI Overviews. Diese Systeme suchen nach verlässlichen, zitierfähigen Quellen. Und Originalinhalte mit echter Expertise werden bevorzugt referenziert.

Mein Fazit

Die KI ist ein hervorragendes Werkzeug, um Fachpersonen beim Schreiben zu unterstützen. Aber sie ist kein Ersatz für den Experten, der den Inhalt liefert. Etwas wirklich Neues, Echtes und nicht Künstliches entsteht nur, wenn man viel von der eigenen Erfahrung und dem eigenen Wissen preisgibt. Das ist auch das, was Google und KI-Systeme als Quellen wollen: Echte neue Erfahrungen oder noch undokumentiertes vorhandenes Wissen.

Wer sich für den konkreten Prozess interessiert, wie wir KI als Sparringpartner einsetzen, findet in unserem Artikel zu Content Marketing im B2B eine detaillierte Beschreibung beider Varianten.