Diese Frage höre ich in letzter Zeit immer häufiger. Ein Geschäftsführer bekommt von seinem Marketing-Berater oder von einer Agentur gesagt, er müsse jetzt dringend in GEO investieren, sonst verliere sein Unternehmen die Sichtbarkeit. Das klingt bedrohlich. Aber bevor man in etwas Neues investiert, lohnt sich eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Die erste Frage, die ich zurückstelle
Wenn jemand zu mir kommt und sagt «Ich brauche GEO», frage ich zuerst: Wie steht es um Ihre SEO-Sichtbarkeit? Ist die klassische Suche bereits umfangreich ausgeschöpft? Ranken Sie für die wichtigsten Begriffe in Ihrer Branche?
Denn SEO ist das Fundament für GEO. Ohne eine Website, die in der klassischen Suche gut aufgestellt ist, wird auch keine KI-Sichtbarkeit entstehen. Google AI Overviews, Perplexity und ChatGPT mit Websuche greifen bei kommerziellen Anfragen über den sogenannten Query Fan-out auf aktuelle Suchergebnisse zurück. Das heisst: Wer bei Google nicht rankt, taucht auch in den KI-Antworten nicht auf.
Was sich tatsächlich verändert hat
Es stimmt, dass sich das Suchverhalten verschoben hat. Immer mehr Entscheider starten ihre Recherche bei einem KI-System statt bei Google. Das ist real und das sollte man ernst nehmen.
Aber die Schlussfolgerung «jetzt muss alles anders optimiert werden» ist voreilig. Gutes SEO ist gutes GEO. Dem stimme ich zu, und auch Googles Danny Sullivan hat das so formuliert. Die Grundmechanismen haben sich nicht grundlegend verändert. Statt von Brand Mentions sprach man früher von aktivem Linkaufbau und Pressearbeit für den Aufbau einer positiven Reputation. Die Begriffe sind neu, die Grundmechanismen sind es nicht.
Was sich tatsächlich verändert hat, sind drei Dinge:
Primärerfahrung ist noch wichtiger geworden. Allgemeines Wissen können KI-Systeme längst selbst generieren. Um als Quelle genannt zu werden, müssen Sie etwas liefern, das nur Sie liefern können: echte Erfahrungen aus erster Hand, eigene Daten, konkrete Projekteinblicke. Wir haben das an unserem eigenen Glossar-Experiment erlebt: 80 generische KI-Texte brachten nichts. Artikel mit echtem Fachwissen performen dagegen in beiden Welten.
Struktur wird zur Pflicht. KI-Systeme brauchen Inhalte, die sie leicht verarbeiten können. Das heisst: kurze, präzise Antworten auf die wichtigsten Fragen, klare Überschriften, saubere Datenstruktur. Ein langer Fliesstext ohne Struktur wird von einer KI schwerer als Quelle herangezogen als ein Artikel mit klaren Abschnitten und direkten Antworten.
Brand Mentions als externes Signal. Zusätzlich zu den klassischen Backlinks spielen heute auch reine Erwähnungen Ihrer Marke auf themenrelevanten Websites eine Rolle. Nicht jede Erwähnung braucht einen Link. Schon eine sprachliche Nennung Ihrer Marke im richtigen Kontext trägt dazu bei, dass KI-Systeme Sie als relevant für ein Thema einordnen.
Wann gezielte GEO-Massnahmen sinnvoll sind
Es gibt tatsächlich Fälle, in denen man über das klassische SEO hinaus gezielt für KI-Sichtbarkeit arbeiten sollte. Nämlich dann, wenn der SEO-Teil bereits sehr stark ist und nahezu ausgeschöpft, aber gleichzeitig die KI-Sichtbarkeit noch schlecht ausfällt.
Ich muss aber ehrlich sagen: Diesen Fall erlebe ich in der Praxis kaum. Denn wer wirklich gutes SEO betreibt, also Topical Authority aufbaut, Primärerfahrung publiziert, seine Inhalte sauber strukturiert und an einer starken Reputation arbeitet, der wird in der Regel auch von KI-Systemen als relevante Quelle erkannt.
Mein Fazit
GEO ist eine Erweiterung von gutem SEO, kein Gegenentwurf. Bevor Sie in GEO investieren, stellen Sie sicher, dass Ihr SEO-Fundament steht. Und wenn Ihnen jemand GEO als völlig neue Disziplin verkaufen will, die alles bisherige obsolet macht, seien Sie skeptisch. Die Grundlagen, einzigartige, hilfreiche und klar strukturierte Inhalte, gelten für beides.
Wenn Sie wissen möchten, wie eine kombinierte SEO- und GEO-Strategie für Ihr Unternehmen konkret aussehen könnte, finden Sie unter SEO für KI-Suchen unseren Ansatz im Detail.